Institutionelle Zusammenarbeit der Handwerkskammern der Großregion (1989 – 2020)

//Institutionelle Zusammenarbeit der Handwerkskammern der Großregion (1989 – 2020)
//Institutionelle Zusammenarbeit der Handwerkskammern der Großregion (1989 – 2020)

Der Interregionaler Rat der Handwerkskammern der Großregion (IRH), 1989 gegründet und bestehend aus 12 Mitgliedsorganisationen, ist eine in Europa einzigartige, institutionalisierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit des Handwerks der Großregion (Rheinland-Pfalz, Saarland, Grand Est (inkl. „Lothringen“), Luxembourg, Wallonien). Der IRH stellt demnach eine facettenreiche Austausch-Plattform dar mit Sitz in Luxemburg. Das Generalsekretariat ist bei der Chambre des Métiers de Luxembourg angesiedelt. Das Handwerk der Großregion ist mit 170.000 Unternehmen, 750.000 Beschäftigten und 50.000 Auszubildenden ein starker Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor.

Im Rahmen des Berichtes der IBA zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Großregion 2019/2020, insbesondere des Schwerpunktthemas „25 Jahre Großregion – Bilanz und Perspektiven aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht“ hat der IRH die folgende Bilanz seiner Initiativen 1989-2020 und der Perspektiven aus der Sicht des Handwerks der GR eingereicht.

Notiz (15.01.2021) : Der IRH wurde im Kapitel 3 (« Großregionale Erfolgsgeschichten und Kooperationen ») auf den Seiten 129-130 sowie auf der Seite 24 (Statistiken 2019) der deutschen Ausgabe erwähnt.

Link zum IBA Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Großregion 2019/2020

Wichtigste Etappen der interregionalen Zusammenarbeit im Rahmen des IRH

Für das Handwerk ist das Zusammenwachsen der Regionen eine in der Praxis er- und gelebte Realität, die es gilt weiterzuentwickeln. Die europäischen Prinzipien der Freizügigkeit von Personen und Dienstleistungen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Handwerkliche grenzüberschreitende Aktivitäten gehören immer öfter zum tagtäglichen Geschäft. Die Förderung der Mobilität in der Großregion ist daher ein Hauptanliegen des Handwerks.

Der IRH ging aus den spontanen grenzüberschreitenden Annäherungsinitiativen, welche insbesondere Mitte der achtziger Jahre stattfanden, als die politische Vision eines zukünftigen europäischen Binnenmarktes entwickelt wurde. Die Handwerkskammern versammelten sich mit dem Ziel einer nachhaltigen Kooperationsstruktur. Grenzüberschreitende Projekte wurden im Rahmen europäischer Programme in die Wege geleitet, u.a. im Bereich der Förderung von Innovationen und Internationalisierung über INTERREG.

Wichtigste Etappen in der Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit innerhalb des IRH waren, u.a.: Thematisierung der Problematik “Grenzüberschreitende Hemmnisse“ (1995 und 2008); Vorschlag an den Gipfel der GR (Luxemburg), das Thema „KMU-Politik“ als Hauptthema aufzunehmen (2001); Beitrag des IRH unter dem Titel „Memorandum“ zur „Vision 2020 der GR“ (Saarland) (2002); Projekt „Interregionaler Gestaltungspreis im Handwerk in der GR – Augenweide“ im Rahmen von „Luxemburg und GR: Europäische Kulturhauptstadt“ (2007); Aufnahme neuer Mitglieder : UCM National (Wallonien, 2010) und Chambre Régionale de Métiers et de l’Artisanat de Lorraine (Metz, 2012); Stellungnahmen des IRH an den Gipfel der Groβregion (1995 bis heute) sowie Beteiligungen an den Online-Konsultationen der Europäischen Kommission zu zentralen Themen des Handwerks2; jährliche interregionale Foren für KMU und Handwerk (seit 2011); 30-jähriges Jubiläum im Rahmen der Europawahlen (2019). Der IRH arbeitet eng zusammen mit dem WSAGR auf der Basis einer Empfehlung des Gipfels der GR (Senningen, 2009).

Zukünftige Perspektiven

Der IRH unterstützt die Bestrebungen einer stärkeren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich der Energiepolitik in der GR. Seit vielen Jahren arbeitet das Handwerk eng zusammen an der Umsetzung der Energiewende. Die Gründung der Saar-Lor-Lux Umweltzentren des Handwerks, bereits Mitte der Neunziger Jahre, ist dabei nur eine von vielen erfolgreichen gemeinsamen Aktivitäten. In Zukunft muss bei der Ausrichtung der Energiewende der Energieeffizienz und den Erneuerbaren ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Da jedoch für die Umsetzung energetischer Maßnahmen eine hohe Qualifizierung der Mitarbeiter notwendig ist, schlägt das Handwerk der GR eine gemeinsame Qualifizierungspolitik in diesen Bereichen vor.

Der IRH sieht in der Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Berufsausbildung einen Beitrag zur Fachkräftesicherung der Unternehmen in der Region. Diese eröffnet zudem Bildungschancen und Berufsperspektiven und dient der Förderung der beruflichen Mobilität in der GR. Sie ermöglicht es Auszubildenden, den praktischen Teil ihrer Ausbildung unter Lehrvertrag in einem Land und die schulische Ausbildung im jeweils anderen Land zu absolvieren. Demnach begrüsst der IRH die stetige Dokumentation der Fortschritte im Bereich der grenzüberschreitenden Berufsbildung im Kontext der 2014 in Trier unterzeichneten diesbezüglichen Rahmenvereinbarung seitens der GR.

Digitalisierung ist allgegenwärtig und auch das Handwerk wird zunehmend digitaler. In den Betrieben fordern die neuen Entwicklungen eine Anpassung von Arbeitsprozessen und Ausbildungsinhalten. Die Entwicklung neuer Kompetenzen steht hier im Mittelpunkt. Der IRH hat sich als Ziel gesetzt, Handwerksunternehmern und Entscheidungsträgern die Chancen und besonderen Herausforderungen aufzuzeigen, die die Digitalisierung für das traditionelle Handwerk mit sich bringt, speziell im Kontext einer sich rasch entwickelnden zukünftigen Arbeitswelt.

In Angesicht der raschen Entwicklung der Märkte und eines sich ständig entwickelnden Angebotes an industriellen Massenprodukten, entsteht eine immer stärker werdende Nachfrage an individuellen Produkten. Diese kennzeichnen sich durch einen hohen Mehrwert, ein höheres Qualitätsniveau (sei es in Bezug auf deren Funktionalität, Ergonomie, der neuen integrierten Materialien oder aber der Ästhetik) und bestimmte Nachhaltigkeitsmerkmale. Die Handwerksbetriebe können über ihre Produkte und Dienstleistungen eine direkte und angepasste Antwort auf diese Nachfrage geben.

Der Integrationsprozess innerhalb der EU und der GR hat die Möglichkeiten für räumlich nahe grenzüberschreitende Aktivitäten erheblich erweitert. Nachdem in der Vergangenheit viele Hemmnisse für das grenzüberschreitende Angebot von Dienstleistungen abgebaut wurden, wagen immer mehr KMU den Schritt auf die Märkte der GR. Der IRH setzt sich dafür ein, dass noch bestehende administrative Hemmnisse durch praktikable Regelungen abgebaut bzw. neue verhindert werden, dies u.a. im Bereich der Entsendung.

Der IRH betrachtet die Initiative eines „Territorialen Entwicklungsplans für die GR (REKGR)“ als ein wesentlicher Schritt zur Entwicklung einer Zukunftsvision für die GR, unterstützt durch strategische Aktionen und vorrangige Pilotprojekte. In Zukunft wird es wichtig sein, eine breite Sichtweise zu berücksichtigen, die sowohl das Handwerk (als Schlüsselakteur mit hohem Innovationspotential) als auch KMU im Allgemeinen in allen vorgeschlagenen Initiativen einschließt.

Institutionelle Zusammenarbeit der Handwerkskammern der Großregion (1989 – 2020)

2023-10-23T09:56:18+00:00